Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2024 geht an Saša Stanišić
Saša Stanišić bekommt den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2024. Das gaben die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk, die den Preis gemeinsam vergeben, am 10. September 2024 bekannt. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert und gilt dem Erzählband Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne, der im Mai 2024 bei Luchterhand erschienen ist.
Die Verleihung war für den 3. November 2024 im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig angesetzt. Der neunköpfigen Jury gehörten laut Börsenblatt Gerd Biegel, Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft, sowie Hanna Engelmeier, Thomas Geiger, Samuel Hamen, Anja Hesse, David Hugendick, Wiebke Porombka, Michael Schmitt und Julia Schöll an. In ihrer vom Börsenblatt wiedergegebenen Begründung würdigte die Jury Stanišić als ebenso leidenschaftlichen wie virtuosen Erzähler, der das Existenzielle und das vermeintlich Nebensächliche gleichermaßen ernst nehme, mit einem sehr eigenen Humor erzähle und Präzision im beobachteten Detail mit Präzision in der sprachlichen Umsetzung verbinde – bis hin zu eingewobenen Anspielungen auf Schnitzler und Heine.
Es ist bereits die zweite Auszeichnung für Stanišić binnen gut eines Jahres: Im September 2023 hatte die Stadt Dortmund ihm den mit 15.000 Euro dotierten Nelly-Sachs-Preis zuerkannt, der traditionell am 10. Dezember, dem Geburtstag der Namensgeberin, verliehen wird. Die Dortmunder Jury unter Vorsitz von Bürgermeisterin Barbara Brunsing hob laut Börsenblatt die sprachliche Virtuosität, die komplexe Handlungsführung und die authentischen Figuren seiner Werke hervor.
Der 2024 ausgezeichnete Band versammelt zwölf lose verbundene Erzählungen über Leben, die man hätte führen können – von Heidelberger Migrantenkindern, die sich Zukünfte ausmalen, bis zu einem deutsch-bosnischen Schriftsteller, der feststellt, dass er schon einmal auf Helgoland gewesen ist. Das Buch hat 256 Seiten, kostet 24 Euro (ISBN 978-3-630-87768-6) und liegt inzwischen auch als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch vor. Die Feuilletons hatten es im Frühsommer 2024 breit besprochen, unter anderem in FAZ, Süddeutscher Zeitung, NZZ und ZEIT.
Quellen: boersenblatt.net, penguin.de, perlentaucher.de
