Bernhard Schlink erzählt in 'Das späte Leben' vom Abschiednehmen
Mit Das späte Leben hat Bernhard Schlink einen Roman über die letzten Monate eines alten Mannes vorgelegt. Das Buch ist am 13. Dezember 2023 im Diogenes Verlag erschienen, hat 240 Seiten und die ISBN 978-3-257-07271-6; die Leinen-Ausgabe kostet 26 Euro. Das Hörbuch liest der Schauspieler Ulrich Noethen.
Im Mittelpunkt steht Martin, ein 76-jähriger emeritierter Rechtsprofessor, der die Diagnose erhält, dass ihm nur noch wenige Monate bleiben. Er ist mit einer deutlich jüngeren, erfolgreichen Malerin verheiratet und Vater des sechsjährigen David. Nach der Verlagsbeschreibung versucht Martin, für die Zukunft seiner Familie vorzusorgen, muss aber zugleich lernen, die Kontrolle abzugeben – bis hin zu einem versöhnten Abschied.
Die Kritik nahm den Roman unterschiedlich auf. Auf diogenes.ch wird Annemarie Stoltenberg von NDR Kultur zitiert, die von einem leisen, großen und wichtigen Text spricht. Annette König beschrieb den Roman bei SRF Kultur am 14. Dezember 2023 dagegen als durchzogenes Leseerlebnis: Der Anfang überzeuge psychologisch, im Mittelteil – wenn Martin von der Untreue seiner Frau erfährt – verliere die Erzählung an Kraft, und der Schluss an der Ostsee sei versöhnlich, aber vorhersehbar.
Schlink, Jahrgang 1944, Jurist und Schriftsteller, lebt in Berlin und New York. Seit seinem Debüt Selbs Justiz 1987 veröffentlicht er bei Diogenes; sein Roman Der Vorleser von 1995 wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, und Stephen Daldrys Verfilmung mit Kate Winslet kam laut Diogenes 2009 in die Kinos. Das späte Leben ist nach Die Enkelin (2021) sein zweiter Roman innerhalb von gut zwei Jahren; das Buch liegt inzwischen auch als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch-Download vor.
Zu den Themen des Romans gehören nach der Verlagsdarstellung Sterblichkeit, Vaterschaft und Ehe, aber auch die Frage, was man einem Kind hinterlässt, das sich später kaum an den Vater erinnern wird. Damit knüpft Das späte Leben an Motive an, die Schlinks Werk seit Der Vorleser prägen: Schuld, Verantwortung und die Beziehungen zwischen den Generationen.
Quellen: diogenes.ch, srf.ch
