Wieder nicht Murakami: Literaturnobelpreis 2025 geht an László Krasznahorkai
Die Schwedische Akademie hat den Literaturnobelpreis 2025 am 9. Oktober dem ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai zuerkannt. Haruki Murakami, der seit vielen Jahren zu den am häufigsten genannten Kandidaten zählt, ging damit erneut leer aus. Die Akademie würdigte Krasznahorkai nach eigener Begründung für ein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Kraft der Kunst bekräftige.
Beim britischen Buchmacher Ladbrokes hatte Krasznahorkai vor der Bekanntgabe mit einer Quote von 10:1 die Favoritenposition geteilt, wie das Portal literaturcafe.de berichtete. Murakami wird dort seit Jahren regelmäßig unter den Spitzenkandidaten geführt, ohne dass die Akademie ihn bislang berücksichtigt hätte. Der Preis ist mit elf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund 970.000 Euro; die Übergabe fand am 10. Dezember 2025 in Stockholm statt.
Krasznahorkai, geboren 1954 in Gyula, debütierte 1985 mit dem Roman Satanstango. Seine Bücher erscheinen auf Deutsch im S. Fischer Verlag, übersetzt unter anderem von Christina Viragh und Heike Flemming. Mit dem Regisseur Béla Tarr arbeitete er an mehreren Verfilmungen seiner Stoffe zusammen. Sein internationaler Durchbruch gelang ihm laut SRF mit Melancholie des Widerstands; seine Bücher sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Die Akademie sieht ihn in der mitteleuropäischen Erzähltradition, die von Kafka bis Thomas Bernhard reicht.
Für Murakami-Leser im deutschsprachigen Raum bleibt unterdessen der zuletzt erschienene Roman Die Stadt und ihre ungewisse Mauer das aktuelle Werk. Die deutsche Ausgabe war im Januar 2024 bei DuMont in der Übersetzung von Ursula Gräfe herausgekommen. Murakami, geboren am 12. Januar 1949 in Kyoto, gehört zu den international meistgelesenen Autoren der Gegenwart; ob er irgendwann doch noch nach Stockholm gerufen wird, bleibt eine der beständigsten Fragen des literarischen Herbstes.
Quellen: srf.ch, literaturcafe.de, de.wikipedia.org
