Ferdinand von Schirachs 'Jeder Mensch' löst europaweite Debatte über neue Grundrechte aus
Was passiert, wenn ein Schriftsteller die Verfassung umschreiben will? Ferdinand von Schirach hat mit 'Jeder Mensch' sechs neue Grundrechte für Europa vorgeschlagen – und damit eine Bewegung ausgelöst, die weit über die Literatur hinausreicht.
Der schmale Band, kaum hundert Seiten lang, fordert unter anderem ein Recht auf eine gesunde Umwelt und ein Recht auf digitale Selbstbestimmung. Millionen Exemplare wurden verkauft, eine EU-Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Schirach, der studierte Jurist, hat damit einmal mehr bewiesen, dass Literatur politisch wirken kann.
Kritiker werfen dem Autor vor, er vereinfache komplexe juristische Fragen. Befürworter sehen in dem Buch einen längst überfälligen Denkanstoß. 'Schirach hat eine Sprache gefunden, die jeder versteht', sagte Verfassungsrechtler Christoph Möllers. 'Das ist seine große Stärke – und zugleich das, was manche an dem Buch stört.'
Die Debatte zeigt: Bücher können immer noch die Welt verändern.
Quelle: Luchterhand Verlag
