Schirach wagt das Kinderbuch: ‘Alexander’ – ein Junge soll gute Gesetze finden
Wer kennt das Werk von Ferdinand von Schirach, kennt es als streng, präzise, oft erschütternd. Juristisches Denken in klarer Prosa, Schuld und Gerechtigkeit in knappen Sätzen – das ist die Schirach-Formel. Und dann erschien am 25. Februar 2026 im Penguin Verlag ein Buch, das allen bisherigen Erwartungen widersprach: Alexander, sein erstes Kinderbuch, für Lesende ab 10 Jahren. Sofort landete es auf Platz 1 der Bestsellerliste – ein Novum, das zeigt, wie neugierig das Publikum auf diesen unerwarteten Schritt war.
Im Mittelpunkt steht Alexander, ein Junge aus der Stadt Kaliste. Er bekommt eine ungewöhnliche Aufgabe: Er soll gute Gesetze finden. Die Begründung, die ihm gegeben wird, ist so einfach wie sie tiefsinnig ist – nur ein Kind sei noch frei von Vorurteilen. Auf seiner Suche trifft Alexander sehr verschiedene Menschen: ein Orakel, einen Philosophen, einen Soldaten und eine Modedesignerin. Jede Begegnung wirft eine neue Frage auf, ohne sie einfach zu beantworten. Schirach verhandelt damit die großen Themen seiner Erwachsenenwerke – Demokratie, Gerechtigkeit, das Wesen guter Gesetze – in einer Sprache, die auch Zehnjährige erreicht.
Was das Buch zusätzlich besonders macht: Die Illustrationen stammen von Schirach selbst. Eine von ihnen zeigt eine Figur mit auffälligem gelben Haarschopf in einer Badewanne. In einem Podcast bestätigte Schirach, dass es sich dabei um eine bewusste Anspielung auf Donald Trump handelt – ein kleines, freches Detail, das zeigt, wie sehr das Buch als Reaktion auf die aktuellen politischen Entwicklungen gemeint ist. Alexander ist kein zahmes Kinderbuch, sondern ein engagierter Aufruf – formuliert für die Generation, die diese Welt einmal gestalten wird.
Dass Schirach damit auf Anhieb die Bestsellerlisten anführt, überrascht und überrascht doch nicht: Sein Name bürgt für Ernsthaftigkeit, und Alexander nimmt sein junges Publikum vollkommen ernst. Ein Buch, das man getrost auch Erwachsenen in die Hand geben kann – vielleicht sogar besonders gerne denen, die selbst Gesetze machen.
Quelle: penguin.de, boersenblatt.net, volksstimme.de
