Internationaler Hermann-Hesse-Preis 2024 für Sofia Andruchowytsch und ihre Übersetzer
Der Internationale Hermann-Hesse-Preis 2024 ist an die ukrainische Schriftstellerin Sofia Andruchowytsch und ihre Übersetzer Alexander Kratochvil und Maria Weissenböck gegangen. Die Calwer Hermann-Hesse-Stiftung vergab die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung am 2. Juli 2024, dem Geburtstag von Hermann Hesse, in dessen Geburtsstadt Calw. Bekannt gegeben worden war die Entscheidung bereits Mitte Mai.
Gewürdigt wurden die deutschen Ausgaben der Romane Die Geschichte von Romana und Die Geschichte von Uljana, die beiden ersten Teile des sogenannten Amadoka-Epos, das im Residenz Verlag erscheint. Im ukrainischen Original war das Werk 2020 als ein einziger Band unter dem Titel Amadoka herausgekommen; der dritte Teil, Die Geschichte der Sofia, war für Oktober 2024 angekündigt. Die Jury begründete ihre einstimmige Wahl laut Börsenblatt damit, dass das Werk auf formal vielfältige Weise ein weitgespanntes Panorama der Ukraine des 20. Jahrhunderts entwerfe.
Der Jury gehörten Maria Ivanytska, Kateryna Mishchenko, Jörg Plath, Schamma Schahadat und Ulrike Almut Sandig an. Kratochvil übersetzt aus dem Ukrainischen und Tschechischen und lehrt seit 2022 an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Weissenböck arbeitet seit 2004 mit Texten aus dem Ukrainischen, Russischen und Belarussischen. Der Verband deutschsprachiger Übersetzer hob in seiner Meldung hervor, dass die Jury die Übersetzung als virtuos gelungen bewertete, weil sie die über hundert Jahre umspannenden Tonlagen des Werks ins Deutsche bringe.
Der Internationale Hermann-Hesse-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und zeichnet nach dem Statut der Stiftung ein literarisches Werk von internationalem Rang aus – das kann eine Autorenleistung, eine Übersetzung oder beides gemeinsam sein. Zuvor waren laut Preisträgerliste der Stiftung 2022 der türkische Autor Hakan Günday mit seiner Übersetzerin Sabine Adatepe und 2020 Chimamanda Ngozi Adichie mit Judith Schwaab ausgezeichnet worden. Die nächste Vergabe des Calwer Preises folgte 2026.
Quellen: boersenblatt.net, literaturuebersetzer.de, hermann-hesse.de
