'Heimsuchung' kommt ins Kino: Schlöndorffs Erpenbeck-Verfilmung startet am 15. Oktober und wird auf der Buchmesse ausgezeichnet
Ein Haus an einem brandenburgischen See und die Menschen, die es im Lauf eines Jahrhunderts bewohnen: Das ist der Stoff von Heimsuchung, dem Roman, mit dem Jenny Erpenbeck 2008 bekannt wurde. Volker Schlöndorff hat ihn verfilmt. Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte kommt am 15. Oktober 2026 über StudioCanal in die deutschen Kinos, und noch bevor der erste reguläre Zuschauer im Saal sitzt, steht die erste Auszeichnung fest: Der Film erhält den Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption 2026. Verliehen wird er am 9. Oktober im Kino des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums in Frankfurt, im Rahmen des 37. Hessischen Film- und Kinopreises, durch den hessischen Kunstminister Timon Gremmels.
Die Begründung der Buchmesse lobt, der Film bewahre "die Genauigkeit und Haltung der Vorlage" und finde "Bilder für das, was zwischen den Zeilen liegt". Schlöndorff, 87, hat auch das Drehbuch geschrieben; es ist seine 28. Literaturverfilmung. Vor der Kamera stehen Martina Gedeck als Schriftstellerin, Lars Eidinger als Architekt, dazu Susanne Wolff, Michael Maertens, Ulrich Matthes, Angela Winkler und Detlev Buck. Gedreht wurde 2025 in Brandenburg und im Studio Babelsberg, als Drehhaus diente Albert Einsteins früheres Sommerhaus; der See der Handlung liegt rund 40 Kilometer entfernt und wurde digital mit dem Haus zusammengeführt. Der Film dauert 118 Minuten. Seine Weltpremiere hatte er im Mai in der Sektion Cannes Première der 79. Filmfestspiele von Cannes. Produziert haben Regina Ziegler (Ziegler Film) und Schlöndorff (Volksfilm), koproduziert von StudioCanal, Studio Babelsberg, Gretchenfilm und Mideu Films, Senderpartner sind ZDF und arte.
Erpenbeck begleitet den Start selbst. Die Premierentour beginnt am 6. Oktober mit der Deutschlandpremiere im Berliner Kino International; am 7. Oktober ist die Autorin bei einer weiteren Berliner Vorstellung mit Ulrich Matthes dabei, am 10. Oktober in Frankfurt und am 14. Oktober in Potsdam, jeweils zusammen mit Schlöndorff und Regina Ziegler. Weitere Stationen der Tour bis zum 18. Oktober sind Leipzig, München, Erlangen, Dresden, Hamburg, Essen, Düsseldorf, Heidelberg und Karlsruhe. Auf der Frankfurter Buchmesse sitzen Erpenbeck, Schlöndorff und Ziegler am 9. Oktober von 14 bis 15 Uhr beim Book-to-Screen Spotlight zusammen auf der Bühne, moderiert von Tanja Graf vom Literaturhaus München.
Der Roman ist weiterhin als Taschenbuch bei Penguin lieferbar (192 Seiten, 14 Euro, ISBN 978-3-328-10251-9) und steht laut Verlag derzeit auf Platz 15 der Spiegel-Taschenbuchliste Belletristik, ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Kinostart das Buch wieder in die Läden bringt. Erzählt wird von den wechselnden Bewohnern des Hauses: dem Architekten und seiner Frau, einer jüdischen Tuchfabrikantenfamilie, einer aus dem Exil zurückgekehrten Schriftstellerin, einem Rotarmisten, bis zu den Eigentumsfragen nach der Wende. Dazwischen steht immer wieder der Gärtner, der bleibt, während alle anderen kommen und gehen.
Für Erpenbeck ist Heimsuchung das Buch, das ihren Ton gefunden hat: knapp, chronikhaft, mit dem Blick auf das, was Geschichte mit Besitz, Herkunft und Erinnerung macht. Aller Tage Abend (2012) und Gehen, ging, gegangen (2015) führten das fort, mit Kairos gewann sie 2024 den International Booker Prize. Dass sich mit Schlöndorff der Regisseur der Blechtrommel (Oscar 1980) ihres frühen Romans annimmt, reiht Heimsuchung in eine Filmografie ein, die mit Musil, Böll und Grass begann und nun bei einer Autorin der Gegenwart ankommt.
Quellen: buchmesse.de (Book-to-Screen Day, Adaptionspreis), filmdienst.de (Premierentour), arthaus.de (StudioCanal), studiobabelsberg.com (Cannes), kino-total.net, penguin.de (Taschenbuch)
