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'Corpus Delicti' im Kino: Juli Zehs Methode-Dystopie läuft seit dem 1. Oktober

·Lieblingsautoren Redaktion
Juli Zeh: 'Corpus Delicti' ist verfilmt und läuft seit dem 1. Oktober 2026 im Kino
Überwachung als Normalzustand: Im Film regiert die 'Methode'. Foto: The Building Envelope, StockSnap, CC0.

Siebzehn Jahre nach dem Roman ist Corpus Delicti im Kino angekommen: Am 1. Oktober 2026 ist die Verfilmung von Juli Zehs Gesundheitsdystopie bundesweit gestartet. Regie und Drehbuch stammen von Lena Stahl, den Verleih übernimmt Leonine. Hannah Herzsprung spielt die Biologin Mia Holl, Damian Hardung ihren Bruder Moritz, Alexander Fehling den Journalisten Heinrich Kramer; in weiteren Rollen sind Christian Friedel und Haley Louise Jones zu sehen. Der Film ist gut 100 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben.

Die Geschichte dürfte vielen aus dem Deutschunterricht vertraut sein: In einer nahen Zukunft regiert die Methode, ein System, das Gesundheit zur obersten Bürgerpflicht erklärt und jede Abweichung registriert. Als Moritz Holl wegen Vergewaltigung und Mord angeklagt wird, obwohl er seine Unschuld beteuert, gerät seine bis dahin systemtreue Schwester ins Zweifeln und schließlich selbst ins Visier des Staates. Stahl hat die Vorlage als Thriller angelegt; Kamera führte Philipp Haberlandt, die Musik schrieben Volker Bertelmann und Lennart Saathoff. Produziert hat Wiedemann & Berg Film (Quirin Berg, Max Wiedemann, Laura Mihajlovic), gefördert unter anderem von DFFF, FFA und Medienboard Berlin-Brandenburg. Die Weltpremiere fand am 14. September im Berliner Delphi Filmpalast statt.

Die ersten Kritiken fallen gemischt aus. radio3 vom rbb spricht von einem "temporeichen, gut ausgestatteten Dystopie-Thriller" mit überzeugender Hauptdarstellerin, vermisst aber die ethischen Fragen der Vorlage. Filmstarts vergibt drei von fünf Sternen und nennt den Film "erschreckend aktuell". Deutlich strenger urteilt epd Film: Anna Maria Pahlke sieht die Adaption zu einem "einfachen Thriller" geschrumpft, der die Schärfe des Originals verliere. Einig sind sich die Rezensionen darin, dass das reduzierte Szenenbild mit seinen kühlen Betonbauten die Welt der Methode glaubwürdig macht.

Wer den Film mit dem Buch vergleichen will, findet die Vorlage weiterhin als Taschenbuch bei btb: Corpus Delicti. Ein Prozess, 272 Seiten, 11 Euro, ISBN 978-3-442-77588-0. Zeh hatte den Stoff 2007 zunächst als Theaterstück geschrieben, der Roman erschien 2009 bei Schöffling & Co. Auf der Frankfurter Buchmesse ist der Film ebenfalls Thema: Am 9. Oktober diskutieren Hannah Herzsprung und Lena Stahl beim Book-to-Screen Day in einem Podiumsgespräch für Jugendliche über die Verfilmung.

Für Zeh ist es nicht die erste Adaption. Spieltrieb kam 2013 ins Kino, Unterleuten lief 2020 als Dreiteiler im ZDF. Während der Pandemie wurde der Roman über Gesundheitszwang und Überwachung noch einmal neu gelesen und diskutiert, was dem Kinostart jetzt zusätzliche Aufmerksamkeit sichert. Der Kinostart fällt zudem in eine dichte Phase für die Autorin: Am 14. Oktober erscheint bei Luchterhand ihr neuer Roman Pony Show, die Deutschlandpremiere am 11. Oktober in der Elbphilharmonie ist bereits ausverkauft.

Quellen: leoninestudios.com (Weltpremiere), corpusdelicti-film.de, radiodrei.de (Rezension), epd-film.de (Kritik), filmstarts.de, buchmesse.de (Book-to-Screen Day), penguin.de (Taschenbuch), mvp.de (Elbphilharmonie)

Verfilmung Gesellschaft

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