Literaturnobelpreis 2026 geht an Anne Carson: Murakami bleibt Dauerkandidat, neuer Roman kommt im Januar
Die Schwedische Akademie hat den Literaturnobelpreis 2026 am 8. Oktober der kanadischen Dichterin, Essayistin und Altphilologin Anne Carson zuerkannt. Haruki Murakami, seit vielen Jahren einer der meistgenannten Kandidaten, geht damit erneut leer aus. Die Akademie würdigt Carson laut ihrer Begründung für ein kühnes und erfindungsreiches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die Gegenwartsliteratur geschaffen habe. Verkündet wurde die Entscheidung um 13 Uhr in Stockholm von Ingrid Carlberg, der neuen Ständigen Sekretärin der Akademie.
Eine Überraschung war die Wahl zumindest für die Wettbüros. Beim britischen Buchmacher Ladbrokes stand Carson Ende September bei 33:1, wie Literary Hub am 29. September notierte; vorn lagen die chinesische Autorin Can Xue mit 10:1 und Murakami mit 14:1. Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund 1,07 Millionen Euro, die Übergabe findet am 10. Dezember in Stockholm statt. Carson, 1950 in Toronto geboren, erfuhr von der Auszeichnung in Island, wo sie zeitweise lebt. Dem isländischen Sender RÚV sagte sie, sie halte das Ganze für verrückt. Nach Alice Munro (2013) ist sie die zweite Kanadierin mit dem Literaturnobelpreis.
Auf Deutsch liegen laut literaturcafe.de zwölf Bücher von Anne Carson vor, die meisten bei Matthes & Seitz Berlin in der Übersetzung von Marie Luise Knott, darunter Anthropologie des Wassers, Albertine, Irdischer Durst und Norma Jeane Baker von Troja. Bei S. Fischer erschienen Decreation und Rot. Zwei Romane in Versen (übersetzt von Anja Utler), bei Turia + Kant Der bittersüße Eros und An Antigone. Die Bekanntgabe fiel auf den Donnerstag der Frankfurter Buchmesse; am Stand von S. Fischer stand nach Angaben von literaturcafe.de zunächst kein einziges Carson-Buch im Regal, eine Lieferung war unterwegs.
Für Murakami, inzwischen 77 Jahre alt, wiederholt sich damit das Ritual des literarischen Herbstes. In Tokio hatten sich wie in den Vorjahren Fans zur Bekanntgabe versammelt und gingen wieder enttäuscht nach Hause, wie die Nachrichtenseite Infobae unter Berufung auf japanische Medien berichtete. Im Vorjahr war der Preis an László Krasznahorkai gegangen.
Eine gute Nachricht gibt es für die deutschen Leser trotzdem: DuMont bringt Murakamis neuen Roman Die Geschichte von Kaho am 11. Januar 2027 heraus, übersetzt wie immer von Ursula Gräfe. Die gebundene Ausgabe hat 352 Seiten und kostet 28 Euro (ISBN 978-3-7558-0132-0), das E-Book 23,99 Euro. Das japanische Original war am 3. Juli 2026 bei Shinchosha erschienen; es ist Murakamis erster Roman mit einer weiblichen Hauptfigur. Erzählt wird von der 26-jährigen Bilderbuchillustratorin Kaho, in deren Leben sich nach einem missglückten Blind Date rätselhafte Begegnungen häufen: Im Traum warnt sie eine Ameisenbärin vor einer Gefahr und rät ihr, an den Rand von Tokio zu fliehen, wo Kaho in einem alten Holzhaus Zuflucht findet. Dazu kommen ein alter Konflikt mit der Mutter und eine Katze namens Scarlett Johansson. Der Verlag nennt das Buch eine Fabel über das Erzählen.
Bis dahin bleibt Die Stadt und ihre ungewisse Mauer das aktuelle Werk auf Deutsch; der Roman war im Januar 2024 bei DuMont erschienen, zum 75. Geburtstag des Autors, die Taschenbuchausgabe folgte im Juli 2025. Ob Murakami irgendwann doch noch nach Stockholm gerufen wird, ist nach diesem Jahr so offen wie zuvor.
Quellen: boersenblatt.net, literaturcafe.de, zdfheute.de, lithub.com, infobae.com, dumont-buchverlag.de, cinebuch.de
